About moto1203

KTM will mit 200 Kubik den Zukunftmarkt Indien erobern

Wer Europa mit unter 1,0 Mio. verkaufter Einheiten für einen großen Motorradmarkt hält, war noch nie in Indien: Auf dem Subkontinent wurden im Jahr 2011 rund 12 Mio. in 2011 Mopeds, Roller und Motorrädern verkauft. Und der Markt wächst: Für 2012 wird ein weiteres Wachstum von 15% erwartet. 

Bildschirmfoto_2012-01-25_um_1

Kein Wunder also, dass auch europäische Hersteller auf das El Dorado schielen. Aktueller Kandidat: KTM. Zusammen mit dem indischen Partner und Anteilsgaber an Mattighofen, dem zweitgrößten indischen Hersteller Bajaj, wurde gestern in New Dehli von KTM-CEO Stefan Pierer und Bajaj-CEO Rajiv Bajaj gemeinsam die KTM Duke 200 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Mit diesem Motorrad steigt KTM mit Bajaj erstmals in den indischen Markt ein und erwartet einen Absatz von rund 20.000 Stück. "In einem ersten Schritt werden 34 Flagshipstores künftig KTM exklusiv anbieten. Sechs weitere sollen in 2012 eröffnet werden. Mit zusätzlich weiteren 40 Servicepartnern soll KTM als Premiumanbieter im indischen Markt verankert werden", skizziert CEO Stefan Pierer den Plan zum Markteintritt.

Bildschirmfoto_2012-01-24_um_1

Die Duke 200 entstand als logische Weiterentwicklung der neuen kleinen Duke-Plattform, auf der auch die erfolgreiche Duke 125 aufgesetzt wurde. Basis ist der flüssigkeitsgekühlte 1-Zylinder-4-Takt-Motor, der bei der KTM-weltweit angebotenen 200er dike auf 200 Kubik aufgebohrt wurde.

Jetzt fehlt nur noch China.

Comments [0]

Zahlen 2010: BMW wächst und wächst ....

Nicht jeder Hersteller kann das Jahr mit solchen Zahlen bneginnen. 

Mit 104.286 (Vj.: 98.047 Eh) verkauften Motorrädern lieferte BMW Motorrad im Jahr 2011 mehr Motorräder aus als je zuvor in seiner knapp 90‑jährigen Geschichte. Das entspricht einem Plus von 6,4% gegenüber dem Vorjahresergebnis. Zwölf Monate in Folge konnten 2011 mehr Motorräder verkauft werden als im Jahr 2010. Das Absatzergebnis 2011 liegt damit deutlich über der bisherigen Bestmarke aus dem Jahr 2007 (102.467 Eh).

Starkes Wachstum in Deutschland, Frankreich und Übersee.

Erneut größter Einzelmarkt und zugleich der Markt mit dem stärksten Absatzzuwachs war Deutschland. Mit 20.002 Fahrzeugen wurden 2.846 Motorräder oder 16,6 % mehr verkauft als 2010. BMW Motorrad behauptet damit die Marktführerschaft im Segment über 500 cm3. Der Marktanteil bei den Neuzulassungen konnte um 1,7 % auf 24,9 % ausgebaut werden. Jedes vierte neu zugelassene Motorrad über 500 cm3 in Deutschland kam somit aus dem BMW Motorrad Werk in Berlin.

Wie im Vorjahr war Italien der zweitstärkste Einzelmarkt. Hier wurden 13.600 Motorräder (VJ.: 14.234 Eh / - 4,5 %) verkauft. Im insgesamt rückläufigen italienischen Motorradmarkt verkaufte BMW Motorrad zwar 634 Fahrzeuge weniger, konnte aber seine Marktposition deutlich ausbauen und die Volumenführerschaft übernehmen. Der Marktanteil von BMW Motorrad im Segment über 500 cm3 stieg auf 19,9 % (Vj.: 18,4 %).

In der Reihenfolge der größten Absatzmärkte folgen USA (10.203 Eh / +7,4%) und Frankreich (9.850 Eh / +15,0 %).

Nach Deutschland konnte in Brasilien die stärkste Absatzsteigerung erzielt werden (5.442 Eh / +55,2 %). Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich dieser Markt zu einem der großen Absatzmärkte für BMW Motorrad. Um der wachsenden Bedeutung des Marktes gerecht zu werden, produziert BMW Motorrad inzwischen die G 650 GS, die F 800 R und die F 800 GS im brasilianischen Manaus für den lokalen Markt. Insgesamt sehr positiv entwickelten sich für BMW Motorrad nahezu alle weiteren lateinamerikanischen Märkte sowie Osteuropa und Asien.     

R 1200 GS weiterhin erfolgreichstes BMW Motorrad.

Insgesamt erfolgreichstes Modell war 2011 erneut die große Reiseenduro BMW R 1200 GS mit 18.413 verkauften Einheiten (Vj.: 18.768 Eh) gefolgt von ihrem Schwestermodell, der R 1200 GS Adventure, mit 10.453 Einheiten (Vj.: 11.648 Eh).

Die Mittelklasse-Enduro F 800 GS kommt mit 9.829 Einheiten auf den dritten Rang, dicht gefolgt vom Touren-Klassiker BMW R 1200 RT (9.540 Eh) und dem Supersportler S 1000 RR (9.044 Eh). Die im Frühjahr 2011 eingeführten Supertourer K 1600 fanden weltweit 8.019 Kunden. Hervorragende Absatzzahlen erzielten daneben die Roadster F 800 R (7.986 Eh) und R 1200 R (7.310 Eh) sowie die F 650 GS (6.145 Eh).

BMW Motorrad Ausblick 2012.

Mit der neuen G 650 GS Sertao, der überarbeiteten S 1000 RR, dem Boxer-Sondermodell R 1200 GS Rallye und Sondermodellen der K 1300 R und K 1300 S hat BMW Motorrad sein umfangreiches Produktportfolio für die Motorrad-Saison 2012 erneut gestärkt. Darüber hinaus gehen von Frühjahr an die ersten BMW Maxi-Scooter C 600 Sport und C 650 GT an den Start. Mit den Scootern erweitert BMW Motorrad sein Geschäftsfeld um die Facette der Urban Mobility.

Husqvarna Motorcycles braucht neue Märkte.

Das für die Marke Husqvarna Motorcycles relevante Hubraum-Segment 51 bis 750 cm3 war im Jahr 2011 erneut stark rückläufig. Husqvarna Motorcycles lieferte in diesem schwierigen Marktumfeld 9.286 Motorräder (Vj.: 12.066 Eh / -23,0 %) an seine Handelsorganisation aus. Auf Grund der in 2011 eingeleiteten Strukturmaßnahmen der weltweiten Vertriebsorganisation von Husqvarna übersteigt der tatsächliche Retail der zurückliegenden Saison die Werksauslieferungen jedoch deutlich. Insgesamt wurden weltweit 11.243 Husqvarnas an Kunden übergeben.

Mit sehr positiver Medienresonanz wurden die neuen Husqvarna 2-Zylinder Straßenmodelle NUDA 900 und NUDA 900R im Herbst 2011 vorgestellt. Sie stellen einen Meilenstein in der Firmengeschichte von Husqvarna dar. Es sind die ersten völlig neuen in Zusammenarbeit mit BMW Motorrad entwickelten Motorräder und gleichzeitig das Comeback der Marke Husqvarna auf dem Markt für Strassenmotorräder. Die Markteinführung begann im Dezember 2011. Bereits 605 Fahrzeuge wurden bis Ende 2011 an die Handelsorganisation ausgeliefert. Husqvarna rechnet für die diesjährige Motorrad-Saison mit einem spürbaren Wachstum. 

Comments [0]

R.I.P. Armin G.

Er fing an mit einer gebrauchten Kreidler Florett. Dann kamen andere wichtigere Interessen, wie Politik und Dope, über Armins Leben.

Die führten ihn nach Berlin und in mein Leben, wo wie beide in der gleichen WG und in der Hausbesetzerszene landeten. Ende der 70er Jahre, eine geile Zeit.

Und zu allem Überfluß hatten wir ein Moppet, meine XT 500. Meine XT, die war damals so wertvoll wie unsere Freundinnen, und beides verlieh man nicht.

Bildschirmfoto_2012-01-11_um_1

Mit einer klitzekleinen Ausnahme: Armin durfte meine XT fahren, als Einziger. Wir hatten viel Spaß zusammen, mit dem Hausbesetzen, mit den Frauen, mit der XT.

Von Berlin sind wir nach Indonesien gegangen; ich bin nach eineinhalb Jahren nach Deutschland zurückgekommen, Armin ist in Indonesien geblieben. Fast 30 Jahre.

Eine XT hat er nie besessen, aber er ist auf Kawasaki und Suzuki umgestiegen, auf eine Zephyr ZR750, eine Z200 und eine GSX. Und natürlich auf die Bebeks, die kleinen Flitzer für den Stadtverkehr in Yogjakarta.

0bildschirmfoto_2012-01-11_um_1

Armins Herz hing an Ira, seiner javanischen Frau, aber seine Werkstatt war auch nie leer. Es gab ja noch den 1970er Toyota Landcruiser, an dem seit 1985 immer was kaputt war. Zu Basteln - und zu rauchen - gab es also immer was.

Unser Kontakt war sporadisch, aber was sagt das schon? Wenn man auftauchte, lag immer ein Helm bereit.

1bildschirmfoto_2012-01-11_um_1

Unsere Tour durch Java rüber nach Flores haben wir nicht mehr zusammen geschafft. Armin ist heute morgen völlig überraschend in seinem und Iras Haus in Yogjakarta gestorben. Morgen wird er in Indonesien beerdigt.

Was bleibt? Meine Trauer. Und Armins Website http://tiny.cc/rip-armin , die uns bei Touren durch Indonesien aufs Beste mit Tipps versorgt.

Ride on, du alter Anarchist.

Armin3

 

Comments [0]

Comments [0]

Motorrad-Tuner Shinya Kimura: Insekten auf Speed - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto

Insekten auf Speed

03.01.2012

Motorrad-Tuner Shinya Kimura

Von Jochen Vorfelder

Jochen Vorfelder

Wer ein Custom-Motorrad von Shinya Kimura kaufen will, braucht 100.000 Dollar und eine Engelsgeduld. In genial irrer Detailarbeit verwandelt der gelernte Insektenforscher alte Motorräder in komplexe Kunstwerke. Ob und wann die Maschinen fertig werden, ist reine Glückssache.

Die Hauptstraße von Azusa ist eine öde Meile in einem dieser charakterlosen, austauschbaren Vororte von Los Angeles. Supermärkte, Drive-Ins und unzählige Gebrauchtwagenhändler wechseln sich in einer schier endlosen, heruntergekommenen Ladenzeile ab. Auch Chabott Engineering fügt sich ein in dieses Bild. Ein verrostetes Rolltor hängt schief in der Führung; an der Dachrinne und der Eingangstür zum Büro blättert der Lack ab.

"Schön, dass Sie uns gefunden haben", sagt Shinya Kimura, der Besitzer von Chabott, und gibt mir die Hand. Das ist die erste Überraschung: Kimuras Händedruck ist weich und sanft, nur angedeutet wie die knappe Verbeugung. Seine Unterarme sind nicht tätowiert - Kimura ist keiner der amerikanischen Motorraddesigner-Machos, kein Jesse James, kein Möchtegern-Star, der gerne mit einem gepiercten Porno-Model auf dem Schoß Hof hält.

Der Weg in die Garage, in der Kimura seit fünf Jahren Motorräder zu seltenen und seltsamen Skulpturen umbaut, ist beschwerlich. Es ist der Weg durch einen Schrottplatz. Von fast jedem Dollar, den er mit seinen spektakulären Umbauten verdient, kauft er gestrandete Wracks: alte Harley-Davidsons und Indians, bevorzugt aus den vierziger Jahren. Englische Triumphs aus den Sechzigern, japanische Einzylinder aus den Siebzigern. "Ich bin wohl ein hemmungsloser Sammler, das ist eine meiner Leidenschaften," sagt der Japaner und schaut dabei, als wolle er sich dafür entschuldigen.

Über Insekten zum Motorrad

Alte Harleys hatten es Kimura schon zu Hause im japanischen Aichi angetan. Doch sein erstes Motorrad, das er im Alter von 15 Jahren umbaute, war eine kleine Zweitakter-Suzuki mit 50 Kubik. Die über 300 Harleys, die er später für seine frühere Firma Zero Engineering mit einem Team von sechs Mechanikern zusammenbaute, begründeten einen Ruf, der ihn weit über die japanische Szene hinaus bekannt machte. "Es hat mich irgendwann müde gemacht, immer das gleiche Motorrad zu bauen. Ich wollte neue Inspiration, deshalb bin ich in die Vereinigten Staaten gegangen."

"Von Beruf bin ich eigentlich Insektenforscher. Ich habe Entomologie studiert," sagt Kimura. Er stammt aus einer traditionellen japanischen Familie, sein Vater war Dichter, seine Mutter Malerin. Aufgewachsen ist Kimura bei seinem Großvater. "Wir standen uns sehr nahe, bis er starb, als ich zehn Jahre alt war." Sein Großvater war einer der ersten Japaner, der eine amerikanische Indian besaß.

Kimuras Werkstatt ist ein Sammelsurium aus Motorrad-Baustellen. Es gibt nur wenige straßenfertige Maschinen, an den meisten schraubt und baut Kimura von Zeit zu Zeit herum. Eine Indian von 1920 ist einige der wenigen fahrbereiten Exemplare. Eine gedrechselte Holzkiste ersetzt die Satteltaschen; ansonsten ist der Oldtimer fast originalgetreu. Kimura hat die Indian 2010 bei einem 3000-Meilen-Rennen quer durch die Staaten gefahren: "Mein Großvater wäre stolz gewesen," sagt er leise.

Das Problem der Vollendung

In seiner Werkstatt in Azusa arbeitet Kimura in seinem eigenen Takt, in seiner eigenen Ordnung. Geregelte Arbeitszeiten kennt er nicht, oft schläft er auf einer Empore über den Werkbänken. Er besitzt moderne Werkzeugmaschinen, aber arbeitet lieber mit altem Gerät. Teile für Verkleidungen und Aluminiumtanks treibt er mit dem Hammer aus 4 Millimeter dicken Platten. Wenn ein Werkzeug nicht gebraucht wird, kommt es sofort zurück an seinen angestammten Platz. Sein Reich ist übervoll, überall liegen Bauteile, aber Kimura hat offensichtlich ein fotografisches Gedächtnis. Chaos ist Chabott nur für Besucher und seine Kunden, die er sich sorgsam aussucht.

Motorräder baut Kimura nur noch so, wie es ihm gefällt, und für Käufer, mit denen er auf einer Wellenlänge schwingt. "Ich habe keine fertige Idee oder eine Zeichnung, wenn ich mit einem Motorrad anfange. Wenn ich von Anfang an wüsste, was es am Ende gibt, wäre das langweilig." Kimura spricht, so gut es in seinem gebrochenen Englisch geht, lange mit einem Auftraggeber. "Nicht über Motorräder, sondern über ihn. Über Essen, über Musik, über sein Leben. Ich muss sie verstehen, und sie müssen mir vertrauen." Einen Zeitpunkt, an dem der Umbau fertig sein wird, nennt Kimura nie. Er gibt Motorräder nur weg, wenn das Werk seinem Empfinden nach vollendet ist.

Das Problem des Käufers: Seine Umbauten sind eigentlich nie fertig. Die MV Agusta 750 S America, die mitten in der Werkstatt steht, hat er für einen japanischen Sänger gebaut, der schon zwei andere Maschinen von ihm gekauft hat. Kimura hat noch ein Problem mit dem polierten Aluminium-Teil, das hinter dem Vergasern den Rahmen verdeckt. Er hat es schon drei Mal in Handarbeit angefertigt, aber ist mit dem Resultat bisher nicht zufrieden. Er unterbricht unser Gespräch und wechselt in aller Seelenruhe das Blech, ganz so, als säße er in einem Elfenbeinturm beim wissenschaftlichen akkuraten Aufspießen von Insekten.

Kimuras Kreationen tragen Namen wie Dorn oder Silberwespe und stehen ganz in der Tradition der japanischen Wabi-Sabi-Ästhetik - nicht die offenkundige Schönheit ist das Erstrebenswerte, nicht der unmittelbare Glanz der Sonne, sondern der gebrochene des Mondes. Kimura beschreibt das ähnlich: "Insekten sind nicht für alle Menschen schöne Tiere. Mir gefallen sie, mir machen sie Spaß."

Zwei Motorräder pro Jahr

Zum Spaß lässt Kimura die Flash laufen, eine Ducati mit 750 Kubik-Königswellen-Motor von 1974. Er hat sieben Monate daran gebaut. Der Motor brüllt und rüttelt am Ständer, Kimura strahlt über beide Ohren. Auch mit abgestelltem Motor wirkt das Fahrzeug noch schnell, massiv, und eigen. Am Motor hat Kimura nichts verändert, ihn nur sorgfältig überholt. Seine Kunst liegt in den Details, den handgedrehten Schrauben, den gepunzten Blechen und luftigen Armaturenhalterungen, die den alten L-Twin selbst im Stand fliegen lassen wie eine Libelle. "Es war schön, die Maschine zu bauen", sagt Kimura.

Sammler bezahlen für Maschinen aus dem Hause Chabott Engineering zwischen 75.000 und 100.000 Dollar. Kimura sagt, dass er zwei Motorräder pro Jahr fertig stellen muss, um zu leben. In seiner Werkstatt, in seiner Welt.

Comments [0]

Zum Motorradjahr 2011: Ich sollte Flugzeuge testen & OT– Oberer-Totpunkt-Preis 2011 wird vergeben

Arrogante Jungs in Schiesser-Unterhemden, schmuddelige Autobahntankstellen, stets bemühte japanische Konstrukteure und Weltreisen, um Öko-Motorräder zu begutachten – das Motorradjahr 2011 war kein Ponyhof. Der OT–Oberer-Totpunkt-Preis wird dennoch (oder gerade deshalb) verliehen.

Beginnen wir mit Bruce Chatwin, der nach Weihnachten mal wieder auf dem Sofa rum liegt: "Das Abhandenkommen eines Passes war das geringste aller Übel - ein Notizbuch zu verlieren war eine Katastrophe." Meine Notizen aus dem Jahr 2011 sind Gott sei Dank noch alle vorhanden; so schusselig bin ich 2011 noch nicht geworden.


Das erstaunlichste Motorrad der letzten Monate war mit Abstand die Husqvarna Nuda 900. Beeindruckend sind nicht nur die Technik und die Leichtigkeit, mit der die BMW-Tochter ein eigenständiges Design aus der Hand geschüttelt hat. Frappierend ist vor allem die Taktzahl, mit der im einst so beschaulichen Varese spannende Straßenmodelle geboren werden.

Wesentlich längere Zeit nehmen sich dafür Kleinserienhersteller wie Zero Motorcycles in Kalifornien. Dafür gebührt den Amis der Preis für die längsten Flugreise zu einer Präsentation: Hamburg – San Francisco und zurück – das ist rekordverdächtig. Besonders für ein Zweirad, das mit dem Label "Umweltfreundlich" verkauft wird.

Wenigsten dürfte man die Zeros vor Ort ausgiebig fahren – im Gegensatz zu der Ducati Monster 110EVO. Die gebotoxte und geliftete Mutter alle Naked Bikes wurde im April auf Sizilien vorgestellt. Zur Testfahrt am Ätna blieben gerade mal zweieinhalb Stunden Zeit abzüglich lästiger Fotostopps und Staus. Super Timing - vielleicht sollte ich 2012 Flugzeuge testen.

Bildschirmfoto_2011-12-31_um_1

Länger dauerte Anfang Juli der Trip zu den BMW Garmisch Days und dem Treffen mit den Jungs von der GS Trophy auf einer Aprilia Dorsuduro 1200. Insgesamt 1500 Kilometer auf einer knüppelharten Supermoto bei meist strömendem Regen – da freut man sich sogar über den 13-Liter-Tank und den absurden Verbrauch von zehn Litern – bei gemäßigter Gangart. Auch wenn die Autobahnraststätten so speckig sind wie Kassel-West.

Apropos Garmisch Days. Der idealtypische deutsche Tourenfahrer ist konservativ und hört abends im Festzelt am liebsten ein Medley, das mit "highway to hell" beginnt und mit "born to be wild" endet. Das hatten die Berliner Schnösel von BossHoss allerdings nicht drauf und wurden erbarmungslos ausgepfiffen.

Applaus dagegen erntete KTM. Die Österreicher stellten im Frühsommer die Duke 125 vor, ein Fahrzeug für die Generation Facebook. Der Plan – einen scharfen Feger für die Novizen zu bauen – ist aufgegangen; inzwischen sind knapp zehntausend Stück verkauft.

Gut verkauft hat auch Harley-Davidson und darf deshalb die Domain http://fetteschlotze.de auch 2012 behalten. Die Geschäftergebnisse in Deutschland weisen darauf hin, dass es doch eine Menge Zahnärzte, Rechtsanwälte und Amtsleiter mit Hang zum Outlaw-Lifestyle gibt. So richtig durchreiten konnten diese Hardcore-Biker vergangenes Jahr allerdings nicht: Anfang Oktober wurden weltweit mehr als 300.000 Maschinen wegen eines Defekts in die Werkstätten zurückgerufen.

Wie man Technik richtig macht, zeigte Honda im November auf der Mailänder Motorradmesse Eicma. Der 700-Kubik-Motor in den NC 700-Modellen, ein lange entwickelter Reihenzweizylinder mit extrem niedrigem Verbrauch, hat was. Z.B. das Zeug, eine gesamte neue Mittelklasse zu befeuern.

Feuer brennt auch im lukrativen Markt der Großroller. BMW steigt mit der Vorstellung von zwei Maxi-Scootern ein, will nächsten Jahr eine Elektro-Variante bringen, und hat den Platzhirschen von Yamaha und Suzuki damit den Fehdehandschuh hingeworfen. Gefahren werden sollen die Hightech-Roller ab nächstes Jahr.

Aber wer will eigentlich soviel Elektro-Großmarkt auf Rädern? Am Besten bleibt man dieser Tage auf besagtem Sofa, geht zu Fuß – wie weiland Bruce Chatwin – oder besinnt sich zumindest auf die Retro-Bikes, die nur eins können: geil fahren.

Einfach nur fahren, so wie es diese Jungs hier machen. Da kommt Vorfreunde für 2012 auf.

PS: moto1203 lässt es sich nicht nehmen, am Ende des Jahres 2011 den großen "OT-Oberer-Totpunkt-Preis“ für besondere Verdienste um den gehobenen Motorradjournalismus auszuloben.

Der Preis geht für das Jahr 2011 an die Redaktion Manuel Fuchs (Ltg./CvD), Markus Biebricher, Gerd Eirich, Klaus Herder, Michael Rohrer, Mike Schümann, Thomas Waldhauer unter der Leitung von Chefredakteur Michael Pfeiffer für den epochalen MOTORRAD-Beikleber "142 Dinge, die ein Motorradfahrer machen muss".

Foto

Mit 142 sachdienlichen Tipps in der gedanklichen Maelstromtiefe von "Die Führerscheinprüfung bestehen" bis "Von der Route 66 träumen und sich irgendwann bei Ruth (66) wieder finden“ haben es die acht Kollegen verstanden, eine besonders vernachlässigte Zielgruppe an das Motorradfahren heranzuführen: Menschen mit einem IQ unter winterlicher Zimmertemperatur.

Gratulation.

 

Comments [0]

Comments [0]

Erster Blick in die Redaktionsräume #48stdmag

Noch harren wir der öffentlichen Dinge.

Foto

Comments [0]

Yamaha Super Ténéré Worldcrosser - gibts den jetzt oder nicht?

Der tägliche Influx von Presseeerklärungen gibt heute mal wieder Anlaß zu einer weiteren Folge aus der beliebten Serie "Heute durfte mal wieder die PR Asssistentin ran ..." Heute: Yamaha Deutschland.

Zuerst ein Geständnis, auch wenn es möglicherweise peinlich ist: Ich liebe Yamahas.
Jedenfalls die alten Teile. Ich baue in meiner knapp bemessenen Zeit aus meditativen, nahezu religiösen Gründen eine SR 500 mit hohem Ölverlust zum ultimativen Dirt Tracker um. Da kann man präzise, sachdienliche Hinweise dringend gebrauchen.

Das kann Fräulein Nicole Papay, Assistentin PR und Werbung bei Yamaha Deutschland, natürlich nicht wissen. Drum stiehlt sie mir die Zeit mit Presseerklärungen, die so hanebüchen unpräzise sind, dass sie es verdienen hier einmal kommentiert zu werden.

"Der atemberaubende Super Ténéré Worldcrosser feiert seine Premiere auf der Zweiradmesse in Paris." Falsch, Frau Papay, der Worldcrosser in der jetzigen Form stand schon auf der Intermot 2010. Ich kann zur Beweisführung gerne gegen geringe Gebühr ein Foto nachreichen.

"2012 wird Yamaha das aufregendste Abenteuer-Motorrad auf den Markt bringen, das je ein XT-Logo trug. (...) Zu den exklusiven, extrem leichten Carbon-Bauteilen gehören Seitenverkleidungen sowie Gabel- und Rahmenprotektoren. Für extremen Schutz im Gelände sorgen am Super Ténéré Worldcrosser außerdem die Motorschutzplatte, das Kardanwellenschild und der hintere Bremsenprotektor aus schwarz eloxiertem Aluminium.
Diese Komponenten sind Bestandteil des offiziellen Worldcrosser-Kits, der passend zur XT1200Z Super Ténéré von autorisierten Yamaha-Händlern gemeinsam mit dem Fahrzeug angeboten wird. Bitte beachten Sie, dass der Worldcrosser-Kit nicht die Akrapovic Auspuffanlage und die grobstollige Bereifung beinhaltet. "
Das schreit nachgerade nach den üblichen Fragen, die Journalisten gerne ohne viel Federlesen beantwortet sehen, Frau Papay:

- 2012 ist so lange wie 2011. Zwölf Monate. Gehts vielleicht ein wenig genauer?

- Bedeutet der PR-Sprech, dass Yamaha zwölf Monate gebraucht hat, um einige Carbon-Teile an eine XT1200Z anzuschrauben?

- Gibts da irgendeine Preisvorstellung?

- Und vor allem für was? Für ein komplettes Fahrzeug?
- Gibt es dieses Fahrzeug wirklich? Oder gibt es eigentlich nur einen "offiziellen Worldcrosser-Kit", den man sich beim Händler abholen und selbst anschrauben kann?

Na ja, vielleicht klärt sich das ja irgendwie alles noch. Bevor die Super Ténéré Worldcrosser, das "das aufregendste Abenteuer-Motorrad auf den Markt", irgendwie wie Yamaha in Vergessenheit gerät. Weil Konkurrenz in Form der GS, der Multistrada und der neuen Triumph Tiger Explorer gibt es ja genug.

Beste Grüße nach Neuss und ein frohes, beschauliches Fest

Jochen Vorfelder

PS: Was mich persönlich so am Rande noch interessieren würde - passen die Carbon-Teile eventuell auch an eine SR 500? Ich hab da so ne Idee.

Comments [0]

Husky Strada: Husqvarna motzt 2012 den 650er BMW-Motor richtig auf

Die putzmuntere BMW-Tochter aus Varese legt nach: Wenige Wochen nach der Nuda 900 und dem Konzeptbike Moab präsentiert Husqvarna morgen auf der Paris Moto Show die neue Strada. Der Flitzer mit 650er Motor soll 2012 auf die Straße. Wir haben schon mal die Bilder.

Wie mit der Nuda zielt Husky mit der Strada – angetrieben von einem Einzylinder, mit scharfem Styling und viel angekündigter Handlichkeit – auf eine jugendliche Straßen-Zielgruppe. 650 Kubik und diverse hochwertige Komponenten sollen auch ausserhalb Italiens die Käufer ansprechen.

Ausgangspunkt der Strada ist der 650er Einzylinder-Viertakt, der auch bei den bewährten BMW-Modellen wie der aktuellen G 650 GS zum Einsatz kommt. Offensichtlich haben die Husqvarna-Techniker dem Klassiker aber “mehr Leben eingehaucht”, mehr PS mit auf den Weg gegeben, und gleichzeitig mit einer Abspeck-Diät für ein besseres Kraft-Gewicht-Verhältnis gesorgt. Die Strada soll weniger als 170 Kilogramm trocken wiegen – im Vergleich: Eine BMW G 650 GS bringt 175 auf die Waage.

Die Strada ist nach der Nuda und der Konzept-Moab von Mailand – bei der offen sichtlich bereits Komponenten der jetzt gezeigten Strada verwendet wurden – ein weiterer Beweis, dass es die BMW-Leute mit der Wiederbelebung der Straßen-Husqvarnas bitter ernst meinen – kein Wunder bei einer Investition über 100 Mio. Euro in das Vareser Werk.Die Strada wird verkauft als “perfektes Bike für den Stadt-Dschungel” – mit "leichtem Handling, knackigem Anzug und Fahrer-freundlicher Ergonomie". Husky hat angekündigt, dass wie die Nuda auch die Strada von einer eigenen Zubehör-Linie begleitet werden soll. Über genaue Leistungsdaten und Preise ist noch nichts bekannt.

(download)

Comments [0]